ausstellungsdauer: 21.04.-31.05.2016


 
     
p1i.jpg

p2i.jpg

p3i.jpg

p4i.jpg

p5i.jpg

p6i.jpg

p7i.jpg

p8i.jpg

p9i.jpg

p10i.jpg

p11i.jpg

p12i.jpg

CHISTIAN LANG "Habitate" Malerei/Grafik

KATRIJN ENGELEN – Schmuck


In den letzten Jahren haben besonders die vielen Reisen von Christian Lang, auf alle Kontinente, seine Malerei beeinflusst. In den Ölbildern glühen zum Beispiel die sphärischen Farben Lateinamerikas, meditative bildnerische Zeitfahrten sind auch aus anderen Kontinenten entstanden. In der heutigen Ausstellung, hier in der Galerie Möller, stellt Christian Lang Malerei und Grafik vor, die von seinen Reisen nach Australien und Island inspiriert wurden. Der Maler und Grafiker Christian Lang, 1953 geboren, hat sich schon sehr früh mit geologischen Formationen seiner Heimatstadt Chemnitz beschäftigt. Der versteinerte Wald, vor 290 Millionen Jahren durch Verkieselung bei einem Vulkanausbruch entstanden, fasziniert ihn bis heute. Island bereiste der Künstler erstmals mit seiner Frau Rita im Sommer 2012. Und ein zweites Mal im Winter 2015. Verantwortlich für den Aufstieg Islands aus dem Wasser ist ein vergleichsweise einfaches Prinzip: die Ozeanbodenspreizung. In Island befindet sich die Grenze zwischen zwei tektonischen Platten, der Eurasischen und der Nordamerikanischen. Die Insel wächst unaufhörlich. Urkräfte sind am Werk und diese Kräfte aus Feuer und Eis, diese Polarität, beeindruckt den Künstler, löste seine Faszination für diese Insel aus. In dem Ölbild „Inneres Glühen“ schafft Christian Lang aus dem real Gesehenem und der eigenen Vorstellungskraft eine Synthese und übersetzt die Landschaft, einen klassischen Feuerberg, in seine Zeichensprache und seine Farbigkeit. 

Der „Dettifoss“, der stürzende Wasserfall im Nordosten Islands, dessen Wasser­massen mit einer unglaublichen Kraft in die Tiefe rasen, symbolisiert für den Künstler die Götterdämmerung in seinem gleichnamigen Gemälde. In der nordischen Mythologie gehen die Götter im Weltenbrand unter, und daraus entsteht eine bessere Welt. Hier, im Gemälde von Christian Lang, ist es nicht die Kraft des Feuers, sondern das alles mit sich reißende Wasser, das man mit dem Maler, wenn man vor seinem Bild steht, in all seiner Farbigkeit in die Tiefe fallen sieht. In dem Gemälde „Aurora“ nimmt uns der Künstler mit Blau- und Grüntönen gefangen, seiner Wahrnehmung und Interpretation des Polarlichtes. Aber stürzen da nicht Farbpfeile schräg hinunter ins rötlich-gelbe Tal?  Schaut da nicht der Bogenschütze aus der Radierung „Im Visier“ hinauf zu den Wasserfluten, deren Urgewalt sich im Tal entspannt, nach dem das Ziel erreicht ist. Und ein Aufbruch beginnen kann. Vielleicht sehen Sie etwas völlig anderes, Christian Lang gibt Ihnen viele Möglichkeiten in seine Bildwelten einzusteigen.

Als ich die Brauntöne seines Gemäldes „Südliche Hemisphäre“ betrachte, stehe  ich sofort wieder einige Kilometer entfernt vom Ayers Rock, oder dem Uluru, wie die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, ihren heiligen Berg nennen. Heißer, hellbrauner Sand vor mir, und in der Ferne ragt inmitten des  grüngelben flachen Landes ein großer Monolith, ein fünfhundert Millionen Jahre altes Naturkunstwerk heraus. Von weitem scheint dieser Inselberg mit einem großen dunklen Aufsatz versehen, aber je näher wir dieser glutroten Fata Morgana kommen, drei Kilometer lang, zwei Kilometer breit, 348 Meter hoch, umso mehr beginnt er im Abendlicht zu leuchten. Ich sehe in der braunroten Sonnenglut einen großen Elefantenkopf mit steinernen Ohren. Am frühen Morgen umrunden wir das Heiligtum der Aborigines. Genauso wie Christian Lang es auf einer seiner beiden Reisen in Australien umwandert. Sehe ich da nicht die typischen spirituellen Ikonografien des Künstlers? Geologische Formen: Zeitablagerungen, Versteinerungen, Mineralien? Eine Stunde später leuchtet der Monolith, umgeben von einer grüngelben Fauna. Wir entdecken in der ockerfarbenen Wand Höhlen, oder in den Wänden große Tiere. Als wären sie dort hineingedrückt worden und nach und nach versteinert. Aus einem kleinen Erdloch steigt plötzlich ein grünblauer Honigfresser mit seinem langen gebogenen Schnabel empor. Der Fantasie und der Magie sind keine Grenzen gesetzt.

Hier in der Ausstellung sehen sie einige Farbradierungen von Christian Lang, in denen er die von mir gerade geschilderte Magie dieses mystischen Ortes aus „der Brille der Aborigines“ überträgt in seine künstlerisch, typisch stoffliche, spirituelle Ikonografie. Christian Lang betitelt diese Arbeiten mit „Magie einer Landschaft“.

Als ich den Künstler 1987 in Chemnitz kennenlernte, beeindruckten mich seine nordischen Skizzen. Seitdem verfolge ich über viele Jahre, wie der Künstler sich Landschaft für Landschaft erobert. Und immer wieder sucht er sich Reiseziele, die sein aus frühester Jugend gespeistes Interesse an geologischen Formationen entfachen, an den Urkräften, die die Natur geformt haben und die der Mensch versucht in seine Bahnen zu lenken und sie zu verändern.  Ulrike-Sabine Möller wird ebenso wie ich sehr gespannt darauf sein, welche Landschaften wir in Zukunft in den Bildern des Malers und Grafikers Christian Lang werden entdecken können.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß auf Ihrer Entdeckungsreise durch die Bildwelten des Künstlers. (Text: Volker Dittrich)

KATRIJN ENGELEN die wir ab heute das dritte Mal ausstellen, spricht in einem Beitrag über drei HABITATE, drei Lebensräumen, die sie geprägt haben und immer noch prägen.

1951 wurde sie in Antwerpen in Belgien in einer Künstlerfamilie geboren. Ihr Vater war Theaterdirektor, ihre Mutter Schauspielerin. Auf und hinter der Bühne waren die Schauplätze ihrer Kindheit - voller Phantasie, Kreativität aber auch klassischer Tradition in Kunst und Architektur.

Als sie 10 war, wurde ihr Vater nach Stellenbosch/ Südafrika eingeladen, um dort an der Kunsthochschule einen Studienzweig für Theatermacher und Schauspieler aufzubauen. Es folgten 33 Jahre, die sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie heute ist. Naturverbunden, geerdet, zufrieden mit wenig Raffinesse, sich dem Leben stellend und immer kreative Lösungen findend, auch in schweren Zeiten. Sie bezeichnet diese Zeit in Südafrika als ihre Bobbejaan-Jahre. Dort sagt man, Kinder sind Bobbejane, kleine Affen, die man fängt, ihnen den Schwanz abhakt, damit sie Mensch werden.

Zeitweilig kehrte sie zum Studium an die Kunstakademie in Antwerpen zurück, das sie dann an der Universität in Stellenbosch in Südafrika, speziell auf dem Gebiet Schmuck und Gerät fortsetzte, ihr eigenes Label entwickelte, Dozentin an der Universität wurde, ihren Mann, Dieter Dill kennenlernte, den sie im Ausstellungsreigen unseres 30. Jubiläumsjahres ablöst, und mit ihm 1996 nach Süddeutschland in seinen Heimatort zog, wo sie heute noch leben - ihrem dritten Habitat. Äußerlich ist nun alles geregelt, akkurat, nach Vorschrift. Sie vermag aber auch daraus das positive zu filtern, Schönheit zu sehen und uns allen zur Freude - Schönes zu schaffen. Der Ort wo man wohnt oder verweilt und wo man sich wohl fühlt, vielleicht auch, weil man sich wohl fühlen will, ist ihr persönlicher Habitat. So spiegeln auch die verschiedenen Facetten ihres Schmucks ihre Lebenseinstellung wieder.

Ein Zitat von ihr ist. „Say it with flowers…“ das ihre Freude am Leben auch an Verspieltheit ausdrückt. Ihre Schmuckpalette reicht von floral verspielt, bis zur Reduktion auf Grundformen. Sie erschafft Schmuckstücke, die weder penibel kleinlich noch künstlerisch aufgesetzt erscheinen.

Die Natur bleibt ihre größte Inspiration. Sie entnimmt ihr nicht nur Anregungen, sondern auch Teile, wie  die Haut des Perlrochens oder farbige große Bohnen aus New Guinea.

Bemalte Porzellane aus Limoge oder Kacheln aus Delft – alle erhalten in ihrem Schmuck eine neue Lebensform, eine Kunstform, bei der Katrijn Engelen nie die Tragbarkeit aus dem Auge verliert. Sie sind leicht, variabel und poetisch farbig.

Ihr Schmuck ist in seiner Qualität, eine Quintessenz aus solidem Handwerk, gestalterischer Disziplin und subjektivem Ausdruck.