MORITZ GÖTZE - Deutscher Pop - Emaille/Zeichnungen/Grafik

SIMONE MÖNCH - Schmuck

Ausstellungsdauer 02.03. – 11.04.2017

 

 

Als ich 1990 die erste Ausstellung mit Moritz Götze eröffnete, die ich 1987 noch vor seiner ersten Ausstellung überhaupt mit ihm geplant hatte, stellte ich ihn als einen noch relativ unbekannten Künstler vor. Die Frage stellt sich heute andersherum: Wer kennt Moritz Götze nicht?

Es gab seit 1989 keine wesentliche Rezension über Bildende Kunst der DDR, in welcher der 1964 in Halle geborene Möbeltischler und künstlerischer Autodidakt, nicht erwähnt wurde. Nicht weil er ein typischer Vertreter der DDR Kunst ist, sondern weil er ein eigenständiges und auffallendes, den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchendes Werk geschaffen hat und schafft. Sehr offen und sehr öffentlich. Das wird auch an dieser, seiner 5. Ausstellung in der GALERIE MÖLLER deutlich. Spektakuläres der letzten Jahre waren seine 700 teilige Emaillekomposition „Victoria“ ein Panorama der Moderne, durchzogen von geschichtlichen Ereignissen und Visionen und seine 10 Jahre dauernde Neugestaltung der Schlosskirche in Bernburg.

Zur Zeit eröffnet er gerade mit seinem Künstlerfreund Rüdiger Giebler in Neuseeland die „Grand Tour“ eine Welttournee mit 34 Ausstellungsorten in 4 Jahren. Aus dem Anlass hat der DLF folgendes Interview mit ihm gemacht:

 

http://www.deutschlandfunk.de/moritz-goetze-ein-hallenser-pop-art-kuenstler-auf-welt.807.de.html?dram:article_id=378953

 

In einer Künstlerfamilie aufgewachsen, sein Vater Wasja Götze wird der erste Popartkünstler der DDR genannt, seine Mutter Inge Götze war Professorin für Textilgestaltung an der Hochschule Burg Giebichenstein, wollte er ursprünglich Museumsdirektor werden, wofür er allerdings in der Schule hätte aufmerksamer sein müssen.

Dabei entsprach dieser Berufswunsch seiner ursprünglichen Leidenschaft, dem Sammeln, die ihn schon mit 7 Jahren befallen hat und in Hinterhöfen und verlassenen alten Villen Halles rumtreiben ließ. Alle Dinge des täglichen Lebens, vom Reklameschild, Musikautomaten, Zahnarztstuhl oder alte Bücher hortete er. Aber nicht nur für sich.

So wie ein Museumsdirektor seine Schätze zeigen will, so hat er jetzt als Künstler seine Berufung gefunden, als Mitteiler auch der Geschichten, die in den Dingen stecken, ja der Geschichte selbst. Götze gründete mit Peter Gerlach 2006 in Halle den Hasenverlag, der sich der Aufarbeitung regionaler und kulturgeschichtlicher Themen annimmt.[

In seinen Arbeiten findet man ein Konglomerat aus Versatzstücken der Realität, Geschichtszitaten und Tagträumen.

Schon vor fast 30 Jahren war sie erfrischend unakademisch, mit ihrem dilettantisch wirkendem Zeichenstil und ihrer häufig grellen Farbigkeit. Die verwendeten Primärfarben, die klaren Kompositionen suggerieren Simplizität, aber ausgefeilte Assoziationsketten und besondere Codes erzeugen gleichzeitig ausgesprochene Vielschichtigkeit und Tiefe.

Auch vor 30 Jahren, was nicht so bekannt ist, war er als Gitarrist und Sänger mit seiner  Band „Größenwahn“ unterwegs.

2015 hat er der Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ zu neuem Leben verholfen, Bildschallplatten mit in Vinyl gepressten Offsetdrucken aus seinen Grafikmappen von 1989/90 „James Bond – Goldfinger“ und „Fort Knox“ mit „Götze und der Bond Band“ aufgenommen.

Er ist ein „Macher“ geblieben, der sich nicht einordnen lässt, weder als Pop-Artist noch als Realist, noch als Illustrator.

Er ist ein Neugieriger, der nicht nur die Bilderflut der Gegenwart einfängt, sondern auch der Historie hemmungslos auf der Spur ist.

Er ist ein unbekümmerter Entstauber der Deutschen Geschichte, ob in Werkzyklen, wie der Adaption von Bildender Kunst aus Schulbüchern der DDR oder dem Bildersaal der Deutschen Geschichte, in dem er Historienmalerei „aufpeppt“. Ob in Siebdrucken, Malerei, Zeichnungen, Emaillearbeiten, Installationen oder Kunstaktionen, seine Grundhaltung bleibt dabei optimistisch, gepaart  mit freundlicher Ironie. Die Entwicklung des Siebdrucks als künstlerische Technik ist hauptsächlich ihm zu verdanken. Von 1985 bis 1995 betrieb er eine Grafikwerkstatt, in der zahlreiche Plakate und Siebdrucke nach eigenen und fremden Entwürfen entstanden. 1991 bis 1994 übernahm Moritz Götze einen Lehrauftrag für Serigrafie (Siebdruck) an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein und 1994 eine Gastprofessur in Paris. Zahlreiche Ausstellungen in namhaften Galerien und Museen, national und international, haben ihn zwar berühmt gemacht, ihn aber in seinem umtriebigen, ideenschwangeren und freundlich-naiven Wesen nicht verändert. Seine Unbekümmertheit, seine Entdeckerfreude und seine permanente Verweigerung die jeweilige Geschichte nur tragisch zu sehen, färben auch auf den Betrachter ab.

 

Simone Mönch lebt und arbeitet in Tempel, einem ländlichen Ortsteil der Stadt Ribnitz-Damgarten. Gemeinsam mit Moritz Götze hat sie den Geburtsort Halle. Seit mehr als 40 Jahren ist sie in die Schmuckszene Mecklenburg/Vorpommerns involviert. Sie hat das Handwerk „von der Picke an“ gelernt. Nach der Lehre als Goldschmied ab 1973 folgte 1978 das Design-Studium an der Fachschule für angewandte Kunst  im Ostseebad Heiligendamm.

Zu Ihren Dozenten gehörten u.a. der Grafiker Prof. Ludwig Bonitz (†) und der Schmuckgestalter Wolfgang Schlüter.

Nach erfolgreichem Diplom-Abschluss kehrte sie 1982 nach Ribnitz-Damgarten zurück und es folgten Jahre in der Entwicklungsabteilung des VEB Ostseeschmuck, einem führenden Hersteller von Schmuckobjekten der ehemaligen DDR.

Irgendwann überwog der Wunsch, eigenschöpferisch tätig zu sein, sich auf dem Gebiet Unikatschmuck zu erproben, trotz des existenziellen Risikos. Deshalb startete sie 1990 ihre Existenz als freischaffende Schmuckgestalterin. Seitdem war sie nicht nur mehrfach mit einer Personalausstellung hier zu sehen, sondern hat mit eigenwilligen Objekten jede meiner thematischen Ausstellungen, wie „Skurriles und Figürliches im Schmuck“ oder Ohrschmuck aus alternativen Materialien“ bereichert.

Dieser Ausstellung gab sie den Titel „SCHMUCKE-STEINE“ Mit Ausnahme der Schleudergussringe, sind es wirklich außergewöhnliche Steine denen sie mit einer besonderen Fassung zu neuem Leben verhilft.  Eine ganze Ringgruppe mit Quarzen, mit Einschlüssen von  Turmalin, Pyrit, Chlorit, Dentrith z.B. zeigt uns die grafische und malerische Wunderwelt der Jahrmillionen alten Natur. Ob mit Aquamarin, Edeltopas, Amethyst, Zitronenchrysopas, Jade und Türkis – ihre Ringe, ihr Ohrschmuck und ihre Ketten sind von einer bemerkenswerten Konsequenz, einer klaren, minimalistischen Formensprache, die ganz auf die Wirkung der Steine setzt. Simone Mönch schafft die Gradwanderung zwischen schlichten Formen und den Aufmerksamkeit erregenden, bizarren Strukturen ausgesuchter Edelsteine sowie dem Farbenspiel eingesetzter Edelmetalle. Unter ihren Händen entstehen nahezu zeitlose kleine Kunstwerke von atemberaubender Schönheit, die erst bei näherem Hinschauen verschiedene Nuancen preisgeben. Die Besonderheiten  ihrer Ringschienen allein zeigt beides, dem Stein seine Schau zu geben, aber die Eigenwilligkeit der Gestalterin nicht zu verleugnen. Ich weiß, dass Simone Mönch mit Ihrem Schmuck in allen Galerien ein gern gesehener Aussteller ist. Deshalb freue ich mich besonders, dass wir heute Abend wieder eine Ausstellung von ihr eröffnen können. Ich danke ihr für die wie immer zuverlässige und unprätentiöse Zusammenarbeit. Bodenständig, aber zugleich kreativ- diese Mischung macht sie und ihren Schmuck so besonders.

 

Ulrike-S. Möller (aus der Eröffnungsrede)

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© Ulrike-Sabine Möller