Ausstellungsdauer 12.03. – 12.05.2020

VIELSEITIGE KÜNSTLEREHEPAARE  

ARMGARD und MANFRED STENZEL

Bildgestaltung auf Metall, Objekte, Schmuck 

 

Die Künstler der zweiten Ausstellung des Jahres erfüllen gleich mehrere Ausstellungskategorien der Galerie. Armgard und Manfred Stenzel sind sowohl ein Künstlerehepaar, als auch sehr vielseitig in ihrem Schaffen. Neben Emailbildern, Emailobjekten und Gefäßen zeigen sie in dieser Ausstellung Plastiken, mobile Objekte und Unikatschmuck aus verschiedenen Materialien und in unterschiedlichen Techniken. Seit Bestehen sind sie in der Galerie vertreten, hatten 1987, 1990 und 2014 Personalausstellungen, beteiligten sich an allen thematischen Ausstellungen. 

Armgard Stenzel studierte am Institut für künstlerische Werkgestaltung in Halle, Burg Giebichenstein im Fachbereich Metall-Email, einschließlich einer Lehre als Emailleur und schloss 1960 mit dem Diplom ab.

Die künstlerischen Ursprünge von Manfred Stenzel liegen in den 50 iger Jahren in der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm, wo er nach einer Goldschmiedelehre im Fachbereich Schmuck-Metall-EmaiI seinen Diplomabschluss machte.

Beide waren nach dem Studium als Designer für Serienschmuck in der Industrie tätig und lebten seit Mitte der 70 iger Jahre freischaffend in Luckenwalde und seit 2 Jahren in Dresden.

Armgard Stenzel setzt ihre Ideen in unterschiedlichen Techniken und Metallen um.

Dabei interessiert sie besonders das Emailieren, das Zusammenspiel von Metallgrund und farbigem Glasschmelz eine äußerst selten gewordene Technik, da sie in Deutschland und unseres Wissens auch international an keiner Kunstschule mehr gelehrt wird.

So sind Stenzels fast die letzten Protagonisten dieser Technik die

Jahrhunderte alt ist und Jahrhunderte hält.

Die erste bekannte Emailarbeit ist 3500 Jahre alt und war eine Grabbeigabe in mykenischen Gräbern auf Zypern. Technisch im Wandel durchzieht sich die Geschichte der Emailkunst durch die Jahrhunderte, wurde hauptsächlich als Schmuckelement für sakrale Gegenstände verwand.

Stenzels berufen sich auf das Maleremail, das im 16. Jahrhundert in Limoges entstand, bei dem die Farbflächen nicht mehr durch Stege getrennt sind, sondern mit dem Pinsel aufgebrachte Farben feine bildliche Darstellungen ermöglichen. Dafür stehen ihnen, anders als den Malern nur 7 Farben zur Verfügung. In ihren Emailbildern vermag sie ihr malerisches Talent auszuleben

In der Regel verwendet Armgard Stenzels wie ihr Mann Edelstahlplatten als Malgrund. Mit Blattgold und Blattsilber setzt sie Akzente. Zusätzlich holt sie das Email auch auf eine andere Ursprungsfunktion zurück, dem Dekorieren von Gefäßen.

Einige Schalen, Dosen, Wandteller, Becher und Tabletts sind in dieser Ausstellung zu sehen.

 

Ihre Spannweite reicht von thematischen Sinnbildern bis zu ornamental dekorativem. Mit souveränem Einsatz ihrer kompositorischen und handwerklichen Fähigkeiten erschafft sie sowohl frei gestaltete ornamental anmutende Flächen als auch gegenständliche Bildwelten. Manfred Stenzel hat über seine Frau gesagt: “Sie ist impulsiv, phantasievoll und improvisiert gern.“

 

Nicht zuletzt hat das Email seit ca. Anfang/ Mitte der 80 iger Jahre in ihrem Schmuck Einzug gehalten.

Der Schmuck ist, sie war 10 Jahre im VEB Gablona in Jüterburg für die Entwicklung von Modeschmuck zuständig, in unterschiedlichsten Techniken im Schleuderguss, der Montage, dem Treiben ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit geblieben.

 

Manfred Stenzel ist einerseits der programmatische Künstler und andererseits verspielt wie ein Kind.

Er nennt sich selbst Vertreter der konkreten Kunst, einer Kunst, die auf mathematisch-geometrischen Grundlagen basiert und sich bewusst von abstrakter Kunst abgrenzt,

Sie ist im eigentlichen Sinne nicht „abstrakt", da sie nichts in der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern im Gegenteil geistiges materialisiert, keinerlei symbolische Bedeutung besitzt und mehr oder weniger rein durch geometrische Konstruktion erzeugt ist.

Der Schein, dass er nur der Theoretiker ist, täuscht. In seinen Arbeiten, besonders den kinetischen und mechanischen Objekten, stecken so viele Lebensreflektionen, die bei näherer Betrachtung zu entdecken sind. Sie sind thematisch, mitunter politisch, wie bei „BLA, BLA, BLA“ oder heiter ironisch, wie bei dem „Nasenschmeichler“. Der Ausstellungsbesuchen ist aufgefordert, sie in Bewegung zu setzen, oder wie bei 3 „muschepupu LITH“ Objekten, sie zum Leuchten zu bringen Nicht nur gestalterische, sondern auch kunsthandwerkliche Glanzleistungen eines Feinmechaniker.

Wer so etwas entwirft und baut, muss seine Arbeit lieben. Manfred Stenzel vertritt die gesunde Auffassung, dass Kunst auch lustig sein sollte. Selbst im Schmuck setzt er humorvolle Akzente, wie bei den Männern im Ohr dieser Ausstellung. Dabei bleibt er bei der konstruktiven Grundhaltung, auf Linie, Quadrat Kreis zurückgreifend, Variationen eines Themas zu schaffen.

In ihrer Arbeit, so unterschiedlich sie auch wirken mag, Manfred Stenzel der Konstruktive, Armgard Stenzel, die linear und malerisch Florale, haben sie eine kongeniale Beziehung. Er profitiert von ihrer Emailspezialisierung. Sie von seinen Fähigkeiten im Ätzen und Gießen von Metallen.

Beide arbeitet gern für Menschen, die das Bedürfnis nach individuellem Schmuck haben. Neben der dekorativen Wirkung sehen sie Schmuck auch als Kommunikationsmittel und Kunstobjekt.

Kommunikation auch mit Künstlerkollegen, aus der Kreatives entsteht, ist beiden wichtig. Sie gehören zu der auf Rügen zusammengefügten Künstlergruppe E6.

Es verwundert nicht, dass Arbeiten beider in Museen und Sammlungen in ganz Deutschland vertreten sind, sie sich Preisträger nennen dürfen und sie Aufträge für viele architekturbezogenen Arbeiten realisieren konnten. 

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© Ulrike-Sabine Möller